Erweiterung des Landesarboretums: der Hohenheimer Landschaftsgarten

Eine große Anzahl Sträuchersortimente und auch einzelne Baumexemplare stehen im alten Teil des Exotischen Gartens unter starkem Konkurrenzdruck. Aus diesem Grund, aber auch um die historisch bedeutsamen Strukturen des Gartens wieder hervorzuheben, sind umfangreiche Auslichtungen durch Rodungen und Umpflanzungen unumgänglich.

Die Planung für die Erweiterung der Hohenheimer Gärten wurde ab 1994 intensiv betrieben. Auf einer ehemaligen Ackerfläche und einer Wiese erfolgte in räumlichem Zusammenhang zum Exotischen und zum Botanischen Garten Hohenheims die Erweiterung des Arboretums auf einer Fläche von 7,2 ha. Für die Geländemodellierungen wurden ab 1996 circa 140.000 cbm Erde angefahren, um damit die markanten Elemente der Erweiterungsfläche, wie der Aussichtspunkt mit dem Monopteros und der Hügel zur Mittleren Filderstraße mit der Sandsteingalerie, aufzuschütten. Durch Auffüllgebühren konnten die Kosten für die Modellierung des Geländes sowie für den Wegebau der Haupterschliessungswege weitestgehend finanziert werden.

Monopteros

Dank der großzügigen Unterstützung zahlreicher Förderer konnten noch im Dezember 1997 die ersten Baumpflanzungen vorgenommen werden. Auf dem oberen Aussichtspunkt wurde eine Gehölzskulptur mit sechs Säulen-Hainbuchen und auf dem unteren Hügel eine Baumwand aus sechs Krim-Linden gepflanzt. Mit Unterstützung eines Spenders wurde auf dem oberen Hügel ein Monopteros errichtet, ein weithin sichtbares Kennzeichen des neuen Gartenteils und Bindeglied zwischen moderner und historischer Gartenarchitektur. Dieses Bauwerk steht in Korrespondenz zum Herzen Hohenheims, dem Schloß von Herzog Carl Eugen.

Die Pflanzung von 200 weiteren Bäumen im Frühjahr 1998 war ebenfalls nur durch großzügige Spenden möglich. Die Erweiterungsfläche stellt im Grundcharakter einen naturnahen Landschaftsgarten dar. Vom Aussichtspunkt im oberen Teil und dem Hügel im unteren Teil der Erweiterungsfläche ergeben sich Blickbeziehungen zum Schloß und zur freien Landschaft. Als Leitgehölze dienen im westlichen Bereich zu den Schulen Malus (Zieräpfel), nach Norden zum Botanischen Garten Prunus (Zier-Kirschen, Pflaumen, Mandeln usw.), im Bereich des unteren Hügels mit der Sandsteingalerie im Südosten Crataegus (Weißdorn, Rotdorn).

Auf der rückwärtigen Seite des unteren Hügels zur Straße hin wurden am Lärmschutzwall Bepflanzungen mit Wildgehölzen vorgenommen. Die Bepflanzungen in den Randbereichen wurden als raumwirkende Gerüste mit Großbäumen unter Zuordnung von Sträuchern angelegt, als Krautschicht dienen verschiedene Wildstauden.

Die verdichteten Gehölzpflanzungen an den drei Rändern gehen über zu offenen Wiesenflächen im mittleren Bereich und zu einer naturnahen Bepflanzung am Bachlauf im Süden. Neben den befestigten Hauptwegen erschließen Graswege die weiträumigen Flächen, um so den Betrachter besser an die Vielfalt der Pflanzen zu führen.

Die Unterpflanzung der Baum- und Strauchgruppen ist großflächig mit einer für den jeweiligen Standort angepassten Staudengesellschaft nach vegetationskundlichen und gestalterischen Aspekten erfolgt. Die Auspflanzung der wissenschaftlichen Sammlungen wurde sowohl nach ästhetischen als auch nach gestalterischen Gesichtspunkten vorgenommen.

Lavendellabyrinth

Durch die Erweiterung der Flächen wurde es möglich, dem Exotischen Garten wieder mehr den Charakter eines englischen Landschaftsgartens zurückzugeben. Gleichzeitig wurde das Lehrangebot in den natur- und agrarwissenschaftlichen Studiengängen sowie für die Hohenheimer Gartenbauschule entscheidend ergänzt.

Im Jahr 2002 wurde der Landschaftsgarten von der Architektenkammer Baden-Württemberg im Wettbewerb für Beispielhaftes Bauen ausgezeichnet. Diese besondere Auszeichnung wird nur alle 5 Jahre und sehr selten an Gartenanlagen vergeben, was diesem Prädikat an den Landschaftsgarten besonderen Wert verleiht.

Das Gehölzsortiment und das Staudensortiment des Landesarboretums - Exotischer Garten mit Hohenheimer Landschaftsgarten umfaßt nun über 4000 verschiedene Arten, Unterarten und Kulturformen. Insgesamt sind im Gehölzbereich 273 Gattungen aus 93 Pflanzenfamilien vertreten.